Mit Schöffel abschalten: Ich bin raus

Letzte Woche habe ich einen TV-Spot gesehen, bei welchem ich die Paprikasezierung spontan unterbrechen, aus der Küche sprinten und auf den im Nebenraum laut laufenden Fernseher stieren musste.

„An alle Workaholics und Shoppaholics, Global Player und Meinungsführer. An alle Urban Gardener und Facebookfarmer, Laufbandläufer und Proteindrink-Trinker. An alle euch Meilenmillionäre: Macht erstmal ohne mich weiter. Schöffel. Ich bin raus.“ schallte es aus den Lautsprechern.

Ich fühlte mich angesprochen.

Die Aneinanderreihung von Buzzwörtern, von welchen einige auch im Rahmen meiner täglichen Arbeit als Werbe- und Markenforscher Verwendung finden, hat sofort meine Aufmerksamkeit erhascht. Die direkte Ansprache hat folglich bestens funktioniert. Die authentische Bilderwelt, welche sich durch raue Landschaften und einsame Menschen auszeichnet, gibt visuelle Tiefe. Ich war spontan von der Werbeidee sowie deren Auflösung in Form des Markensubstrates, des Claims „Ich bin raus“, welcher den wohlwonnigen Höhepunkt der Geschichte darstellt, begeistert. (Ich bitte den Schachtelsatz zu entschuldigen, ich konnte ihn gerade nicht entwringen.) Aus diesem Grunde hat mir der Werbespot am Ende sogar ein Grinsen entlockt – denn so cool hat die heutige buzzworthaltige und überdenglische Welt noch niemand auf die Schippe genommen. Zumindest fällt mir gerade niemand ein.


Schöffel – TV-Werbung “Ich bin raus”

Ein kommunikatives Schmankerl aus den Händen von Ogilvy & Mather. Von dem Spot angetan habe ich gleich im Netz recherchiert um herauszufinden, ob es noch mehr Versionen davon gibt, seit wann sie On Air sind und – wer eigentlich Schöffel ist!?

Kennen Sie Schöffel?

Zugegeben, ich bin kein Outdoorfreak. Aber ich bin oft draußen – mit Rad, Laufschuhen oder mit meiner Spiegelreflex. Aber zu Outdoormarken hatte ich noch nie einen besonderen Bezug. Wenn, dann zu Jack Wolfskin aufgrund des einzigartigen Logos sowie des wärmenden Effektes der Fließjacken im Winter. Oder zu North Face, da ich immer mehr Menschen mit Kleidung dieser Marke herumlaufen sehe. Doch die Schöffel-Inszenierung in diesem Spot finde ich so klasse und auf den Punkt, dass sich die Marke spontan in mein Relevant Set begeben und ein Kategorieinteresse in mir geweckt hat.

Die Werbung hat es also geschafft, nicht nur eine Aufmerksamkeitswirkung zu generieren, sondern durch die kreativ-relevante Form der Ansprache auch erreicht, etwas über die Marke zu erzählen – und zwar so, dass ich mich mit der Marke beschäftige. Dies allein ist schon eine gute Leistung. Denn im heiß umkämpften Werbeumfeld scheitert jede zweite Werbung daran, die Marke mit der Werbung erfolgreich zu verbinden (Brand Linkage).

Mit nachhaltigem Effekt. Das von Schöffel im Sommer 2012 formulierte Ziel, die Markenbekanntheit von 33% massiv zu steigern, wurde nach einem halben Jahr erreicht: 50%! Zudem konnte unter anderem die TV-Werbung dazu beitragen, den Markenumsatz nachweislich zu steigern: zweistelliges Umsatzwachstum zu Beginn dieses Jahres.

Deshalb für mich ganz klar: eine klar bewiesene tolle Werbewirkung!

Hier das Voice Over des Vorgängerspots “Grüße von draußen”, welches mit obiger Werbung hinsichtlich Fokussierung und Zielgruppenpassung noch optimiert wurde:

„An alle High Potentials und Key Performer, Global Player und Opinion Leader, alle Deep Diver und Innovation Driver. An alle Indoor-Stepper und Power-Napper, alle Urban Gardener und Facebook-Farmer. An alle Laufbandläufer und Proteindrink-Trinker, alle Insider und Upgrader. An alle euch Meilenmillionäre: Macht erstmal ohne mich weiter.“


Schöffel – TV-Werbung “Grüße von draußen”

Die Zielgruppe umfasst 30 bis 59-jährige. Fühlen Sie sich von der Werbung angesprochen?

Posted in Markenaufbau, Werbewirkung - ja oder nein? Tagged with: , , ,
6 comments on “Mit Schöffel abschalten: Ich bin raus
  1. Elwood says:

    Zugegeben, mich hat der Text auch angesprochen, so dass ich ihn mir kopieren wollte und per Suchmaschine dadurch hier gelandet bin. Aber ich muss schon etwas schmunzeln, richtigerweise von der überdenglischten Welt zu schwadronieren, gleichzeitig es aber selber ununterbrochen zu tun. Soll das auch Selbstironie sein, oder gehts in der Werbebranche schlicht und ergreifend nicht mehr anders? Wie man sieht: Es geht (von der schlechten Übersetzung von search engine – “Suchmaschine” – mal abgesehen) auch durchaus auf Deutsch.

    • Philipp Kunze says:

      Grüß Sie, Elwood. Danke für Ihren Kommentar. Natürlich ist das zum Teil auch Selbstironie. Unsere Sprache entwickelt sich nun einmal in diese Richtung weiter – ob wir dies wollen oder nicht. Insofern kann man sich dem beruflich kaum entziehen, da viele englische Wörter auch informationsverdichtend wirken und somit die Kommunikation erleichtern. Zumindest sind das meine Erfahrungen aus der Branche des Marketing sowie der Marktforschung. Insofern huldige ich den tollen Ausbruch aus der Gesellschaft, den Schöffel hier kommunikativ besetzt – konkurrenzdifferenzierend und relevant für die Zielgruppe. Da sind wir einer Meinung.

  2. Pls says:

    Pls help, was ist die Musik?

    • Philipp Kunze says:

      Hallo Pls, ich denke, dass die beruhigende Musik eine Eigenkomposition darstellt, welche extra für diesen Werbespot kreiert wurde.

  3. Marcel says:

    Hallo zusammen,

    ich bin absolut kein TV schauer und wenn,finde ich Werbung das nervigste auf der Welt, aber ich muss ganz ehrlich sagen es ist das erste mal das mich eine Werbung fesselt.
    Ich finde es beeindruckend mit welcher Marketing Inszenierung Schöffel hier an den Tag geht.

    Es ist das erste mal (bewusst) das ich mich von einer Marke zu 100% angesprochen fühle und mich freue wenn ich diese Werbung sehe, dies alleine hat dazu geführt mir einen Schöffel Katalog zu bestellen und ggf. Artikel davon zu erwerben.

    Marketing an dieser Stelle wirklich tip top!
    Ich hoffe es gibt noch viele weitere Webespots in dieser Art.
    PS: Bin noch knapp unter 30 ;).

    • Philipp Kunze says:

      Grüß Sie Marcel,
      danke für Ihren Kommentar, der zeigt, dass Werbung nicht nur wirken kann sondern auch als ansprechend wahrgenommen wird. Werbung sollte viel häufiger ansprechend sein – zu unser aller Zufriedenheit, da bin ich ganz Ihrer Meinung.

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